Der Mann fürs Gefährliche: Gefahrstoff-Experte Dr. Hans-Albert Beul im Interview (Teil 2)

21 Mai

Seit Anfang der 1990er Jahre hat er mit dem Management von Gefahrstoffen zu tun, 2004 gründete er die Prosisoft GmbH, die dafür integrierte Softwarelösungen auf Microsoft Dynamics NAV-Basis entwickelt: Dr. Hans-Albert Beul ist einer der Experten für dieses Thema in Deutschland. In diesem Interview erläutert er, warum Unternehmen sich nicht auf Stift und Papier verlassen sollten, wenn sie ihre Gefahrstoffe im Griff behalten wollen, warum selbst für Gefahrstoff-Experten die Datenflut ein Problem ist und wie softwareseitige Ansätze dabei helfen, dass Gefahrstoffe nicht zur Gefahr für die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens werden.

Live können Sie Dr. Hans-Albert Beul und seine integrierte Gefahrstoffmanagement-Lösung bei seinem Online-Seminar am 22. Mai 2012 um 10.00 Uhr kennenlernen.  Weitere Informationen und Anmeldung hier.

Stichwort „Expositionsszenarien“ – was muss man sich darunter vorstellen?

Der Begriff Expositionsszenarium, kurz ES, kommt aus der REACH-Verordnung und meint eine Zusammenstellung der Herstellungs- und Verwendungsbedingungen für einen chemischen Stoff, welche geeignet sind, die Belastung von Mensch und Umwelt auf ein erträgliches Maß zu beschränken. […] Heute muss der Verwender einer Chemikalie nachprüfen, ob sein Lieferant in dem ans SDB angehängten Expositionsszenarium seine speziellen Verwendungsbedingungen berücksichtigt hat. […]
Der aus diesen Anforderungen entstehende Papierkrieg (bzw. PDF-Krieg) ist vom Gesetzgeber als „Kommunikation in der Lieferkette“ im Prinzip ausdrücklich erwünscht. Inzwischen hat sich aber – völlig unerwartet – herausgestellt, dass die resultierenden Erweiterten SDBs im Umfang von mehreren Dutzend bis zu mehreren Hundert Seiten auch von ausgewiesenen Gefahrstoffexperten nicht mehr mit vernünftigem Zeitaufwand gelesen und verstanden werden. Vom einfachen Handwerker, der eine schnelle Information darüber wünscht, wie er mit einer Spachtelmasse oder einem 2-Komponentenkleber sicher umgehen soll, ganz zu schweigen. […]

Können Sie uns Beispiele nennen, welche Unternehmensfunktionen das GSM bedienen kann?

Lassen sie mich noch kurz einflechten: Die Daten, die für das SDB benötigt werden und in den klassischen 16 Kapiteln ausgegeben werden, sind natürlich in Datenbanken und dort in Tabellen gespeichert. Das heißt, dass wir sämtliche Daten auch für andere Zwecke als das SDB nutzen können. Und – durch die Integration in einem System – können Funktionen auf sämtliche Tabellen zugreifen und sich aus unterschiedlichen Bereichen die Daten zusammensuchen.

Nehmen wir zum Beispiel die Abwicklung eines Verkaufsauftrags: Wird ein Verkaufsauftrag für einen Kunden erstellt, so kann bei Freigabe dieses Auftrags folgender Workflow stattfinden: Der Auftrag wird als Verkaufslieferung gebucht – für diesen Artikel wird das SDB erstellt in der Sprache, die dem Debitor hinterlegt ist, natürlich unter Berücksichtigung der nationalen oder regionalen gesetzlichen Anforderungen für das Land, in das der Artikel geliefert wird, z.B. die nationalen Arbeitsplatzgrenzwerte, Rufnummern der jeweiligen nationalen Notrufzentralen, Besonderheiten wie Wassergefährdungsklassen usw. – das SDB wird an den Debitor verschickt per E-Mail oder Fax, je nachdem welche Versandart hinterlegt ist – für die Packer werden parallel dazu die Etikettendaten produziert und das Versandetikett gedruckt. Sämtliche Aktionen werden protokolliert und das SDB revisionssicher gespeichert.

Oder nehmen wir einen weiteren wichtigen Bereich, die Transportabwicklung. Auch bei Transporten, die ganz oder zum Teil aus Gefahrgütern bestehen, helfen die Daten und die Funktionen des GSM den Firmen, den gesamten Transportprozess effizient zu gestalten. Ausgehend vom Verkaufsauftrag kann ermittelt werden, ob ein Transport als „Gefahrguttransport“ zu erfolgen hat oder ob aufgrund von Ausnahmeregelungen wie „Kleinstmengen“, „Freigestellte Mengen“ (1.000 Punkte-Regel) ein normaler Transport und dieser damit kostengünstiger durchgeführt werden kann. Arbeiten Unternehmen mit Speditionen zusammen, so kann der Spediteur bei Vorliegen aller Artikel für eine Ladung darüber informiert werden, ob er einen geschulten Gefahrgutfahrer schicken muss. Für Lufttransporte kann das GSM ermitteln, bis zu welchen Mengen im Passagierflugzeug transportiert werden darf oder ob ausschließlich ein Frachtflugzeug in Frage kommt etc.

Ein aktuelles Beispiel – die Implementierung ist gerade im Gange – für das Zusammenwirken von Warenwirtschaft und GSM ist das Verschicken von Testergebnissen und Analysezertifikaten. Weiterverarbeiter erwarten von ihren Rohstofflieferanten, dass Qualitäten eingehalten werden. Diese werden je nach Produktart in einer Spezifikation beschrieben. Der Rohstofflieferant erstellt in der Regel für die Lieferung eine Analyse, das Labor erfasst die Analysedaten und daraus kann über Funktionen des GSM ein Analysezertifikat erstellt und dann zusammen mit einem Produktdatenblatt oder Technischen Merkblatt, das ebenfalls mit den Werkzeugen des GSM erstellt wird, den Kunden zugestellt werden. Auch diese Zustellung geschieht mit den im GSM verfügbaren Versandfunktionen. […]

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